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Entlastung für Angehörige: Hilfe annehmen, ohne schlechtes Gewissen

Wer einen Menschen begleitet, gibt viel. Wie Sie eigene Grenzen erkennen, Aufgaben verteilen und Unterstützung annehmen können.

Aktualisiert am · 7 Minuten Lesezeit · Herausgegeben von Edith’s Betreuungsdienst

Viele Angehörige rutschen in ihre Rolle hinein, ohne es zu planen. Erst ist es der Einkauf am Samstag, dann der Arzttermin, dann der tägliche Anruf, ob alles in Ordnung ist. Irgendwann merkt man: Das eigene Leben dreht sich zu einem großen Teil um die Eltern. Das ist Ausdruck von Verbundenheit – und trotzdem darf es nicht dauerhaft auf Kosten der eigenen Kraft gehen.

Eigene Grenzen erkennen

Überlastung kommt leise. Diese Anzeichen sind ernst zu nehmen:

  • Sie sind dauerhaft erschöpft, auch nach dem Wochenende.
  • Sie schlafen schlecht oder grübeln viel.
  • Sie reagieren gereizter, als Sie es von sich kennen.
  • Für eigene Termine, Freundschaften oder Hobbys bleibt kaum noch Zeit.

Wenn Sie merken, dass Ihre eigene Gesundheit leidet, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Auf sich selbst zu achten ist keine Selbstsucht. Es ist die Voraussetzung dafür, auf Dauer für andere da sein zu können.

Welche Entlastung es gibt

Entlastung muss nicht heißen, alles abzugeben. Oft reicht es schon, einzelne Aufgaben zu teilen:

  • Stundenweise Betreuung: Jemand verbringt regelmäßig Zeit mit Ihrer Mutter oder Ihrem Vater – Sie gewinnen freie Stunden.
  • Haushaltshilfe: Einkauf, Wäsche und Reinigung übernimmt eine Haushaltshilfe.
  • Alltagsbegleitung: Arzttermine und Erledigungen werden begleitet, auch wenn Sie selbst arbeiten.
  • Pflegedienst: Pflegerische und medizinische Aufgaben übernehmen Fachkräfte.

Die Pflegeversicherung kennt außerdem Leistungen, die pflegende Angehörige gezielt entlasten sollen – etwa wenn die Pflegeperson verhindert ist oder eine Auszeit braucht. Welche Leistungen in Ihrem Fall infrage kommen und in welcher Höhe, klärt die Pflegeberatung Ihrer Pflegekasse.

Aufgaben verteilen

Schreiben Sie einmal auf, was in einer normalen Woche alles anfällt: Einkäufe, Termine, Haushalt, Anrufe, Besuche. Oft wird erst auf dem Papier sichtbar, wie viel es ist. Danach lässt sich besser überlegen:

  • Was können Geschwister, Partner oder Enkel übernehmen – auch aus der Ferne, etwa Telefonate mit Ämtern?
  • Gibt es Nachbarn oder Freunde, die gern einen kleinen Teil übernehmen?
  • Welche regelmäßigen Aufgaben kann ein professioneller Dienst verlässlich übernehmen?

Hilfe anzunehmen ist kein Versagen. Viele Angehörige erleben, dass die Beziehung zu den Eltern sogar besser wird, wenn nicht mehr jeder Besuch mit Aufgaben gefüllt ist – und wieder Zeit für das bleibt, was einem wichtig ist.

Wenn Sie weiter weg wohnen

Wer nicht in der Nähe wohnt, macht sich oft besonders viele Gedanken. Folgendes kann helfen:

  • eine verlässliche Ansprechperson vor Ort, die Sie erreichen können,
  • feste Zeiten für Telefonate oder Videoanrufe mit Ihren Eltern,
  • klare Absprachen, wann und wie Sie informiert werden – immer mit dem Einverständnis Ihrer Eltern,
  • wichtige Unterlagen und Kontakte an einem Ort, den alle kennen.

Beratung nutzen

Sie müssen nicht alles allein herausfinden. Menschen, die Leistungen der Pflegeversicherung erhalten oder beantragt haben, haben Anspruch auf eine individuelle Pflegeberatung. Außerdem bieten Pflegekassen Pflegekurse für Angehörige an, in denen praktisches Wissen vermittelt wird und Raum für Austausch ist.

Und manchmal hilft schon ein Gespräch mit jemandem, der die Situation von außen betrachtet. Wenn Sie mögen, sprechen Sie mit uns über Ihre Situation – wir hören zu und sagen offen, ob und wie wir helfen können. Mehr dazu auf unserer Seite für Angehörige.

Haben Sie Fragen zu Ihrer Situation?

Ein Ratgeber kann vieles erklären. Ihre persönliche Situation besprechen wir am besten im Gespräch – rufen Sie uns gern an.

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